Niederösterreich

„Das Weinviertel ist dort, wo der Pfeffer wächst“, lautet ein gelungenes Bonmot über die Weinregion im Nordosten Österreich. Das war in früheren Jahren durchaus zweideutig gemeint: Zum einen symbolisierte es die Randlage einer strukturschwachen Region an der Grenze zum ehemaligen Ostblock. Zum anderen spielte es auf die Rebsorte Grüner Veltliner an, die ein feiner Duft nach weißem Pfeffer charakterisiert.

Von Strukturschwäche spricht im Weinviertel heute niemand mehr. Das Gebiet hat einen kometenhaften Aufstieg gemeistert, den die international renommierte Geisenheimer Önologie-Professorin Monika Christmann mit der Entwicklung vom hässlichen Entlein zum stolzen Schwan verglich.

Von der Donau im Süden bis zur tschechischen Grenze im Norden, vom Manhartsberg im Westen bis zur slowakischen Grenze im Osten findet sich eine stattliche Anzahl Spitzenwinzer, deren Weine rund um den Globus für Furore und zahllose Auszeichnungen sorgen. Daneben macht eine junge Winzergeneration mit ambitionierten, gutklassigen Weine auf sich aufmerksam.

Natürlich konzentrieren sie sich beileibe nicht ausschließlich auf den Grünen Veltliner. Dass er aber die unumstrittene Lieblingssorte der meisten Erzeuger ist, lässt sich nicht verhehlen. Immerhin nimmt er mit 8.500 Hektar nicht nur die Hälfte des gesamten Bestandes in Österreich ein, sondern auch knapp die Hälfte weltweit. Dessen ungeachtet – und auch über alle unterschiedlichen Bodentypen und große Entfernungen zwischen den Weinorten hinweg – ist die Sorte an ihrem charakteristischen Dreiklang, dem pfeffrigen Duft, der vollen Frucht und der frischen Säure zu erkennen. Dieses Trio wurde bildete die Grundlage für die Definition des "Weinviertel dac". "Districtus Austriae Controllatus" ist die erste kontrollierte Herkunftsbezeichnung Östereichs und hat Vorbildwirkung für das ganze Land.