Die Abruzzen

Die Abruzzen mit der zentralen Hafenstadt Pescara schließen sich auf der Adriaseite südlich an die Weinregion Marken an. Von Latium und Italiens Hauptstadt Rom ist die Region durch den Gebirgszug der Apenninen getrennt, der die Wettergrenze bildet.

Die Küste entlang und viele Kilometer ins Landesinnere hinein, wo die Hänge ansteigen, erstrecken sich die rund 34.000 Hektar Weinberge bis auf 600 Meter Höhe. Der Einfluss der fast 3000 Meter hohen Berge Gran Sasso und Maiella sorgt für ausgeprägte Temperaturschwankungen zwischen Tag und Nacht, was der Qualität der Weine zu gute kommt, die trotz der südlichen Lage zwar voll, aber ausgewogen sind.

Im Gegensatz zu anderen Regionen Italiens konzentrierte sich der Weinbau in den Abruzzen nur auf zwei Rebsorten, den weißen Trebbiano d’Abruzzo, eine Variante, des in Italien dominierenden, meist belanglosen Trebbiano, der vorwiegend in Küstennähe dominiert sowie  den roten Montepulciano d’Abruzzo. Bei letzterem handelt es sich um eine eigenständige Sorte, die man nicht mit dem toskanischen Vino Nobile de Montepulciano verwechseln darf, der auf Sangiovese basiert. Der einheimische, auch in den Marken verbreitete Montepulciano schenkt angenehme Rotweine mit wenig Säure und sanften Tanninen. Erst in den letzten Jahren wurden verstärkt andere Sorten gepflanzt, bei den Weißen Chardonnay und Sauvignon, bei den Roten Sangiovese und etwas Cabernet. Traditionell zieht man die Reben als Pergola, die den Trauben im heißen Sommer den notwendigen Schatten spendet.

Weinbau wird in den Abruzzen seit vielen Jahrzehnten intensiv betrieben, dabei hat sich der Besitz immer stärker zergliedert, weshalb die meisten Bauern ihre Trauben bei der örtlichen Genossenschaft abliefern. Die Genossenschaften haben lange Zeit nur auf den Absatz billiger Fassware gebaut. Seit gut einem Jahrzehnt steigt die Zahl der selbst vermarktenden Betriebe deutlich an und auch in den Cantinas hat inzwischen ein Umdenken eingesetzt. Mit besserer Weinbergsarbeit und moderner Kellertechnik konnten vor allem die Rotweine ein Niveau erreichen, mit dem sie in den letzten Jahren auch international Freunde gewannen.   

Rätselhafte Staufer-Burg

Von Bari, der Hauptstadt Apuliens, erreicht man in einer Stunde Fahrt das Castel del Monte. Schon von fern zeigt es sich auf seiner Kuppe und wirkt zunächst wie ein quadratischer Klotz.

Kommt man näher, erkennt man immer deutlicher seine faszinierende oktogonale Form, die noch durch die acht, ebenfalls achteckigen Türme betont wird. Zum nach Osten ausgerichteten Hauptportal führen zwei, auf einander zulaufende Treppen. Das exakt nach den Himmelsrichtungen platzierte Bauwerk verblüfft sowohl durch seine exakte Symmetrie wie durch die Qualität seiner Materialien. Die Mauern wurden aus glatten Kalksteinquadern errichtet, für die aufwändig gestalteten und mit korallenfarbigen Breccien verzierten Fenster und Torbögen nutzte man weißen Marmor.

Noch heute ein Rätsel

Friedrich II., Enkel Kaiser Barbarossas, gab den Bau des Castel 1240 in Auftrag. Über zehn Jahre zog sich dieser bis 1250 hin, so dass nicht sicher ist, ob er selbst es jemals vollendet sah, denn er starb im Dezember desselben Jahres. Bis heute gibt dieser außergewöhnliche Bau Rätsel auf. In seinem Innern liegen auf zwei Ebenen jeweils acht Trapez förmige Säle um den achteckigen Innenhof, die untereinander verbunden sind und vor allem im oberen Stock zum Teil große Fensteröffnungen aufweisen. Sie waren für die Zeit auf exquisite Weise mit Marmorarbeiten geschmückt, die später geplündert wurden und nur zum Teil bei der Jahrzehnte dauernden Restaurierung im letzten Jahrhundert ersetzt werden konnten.

Tiefe Symbolik des Oktogon

Bei dieser außerordentlich ausgefeilten und ästhetischen Anlage handelt es sich gewiss um keine – auf Verteidigung ausgerichtete – Burg, dazu fehlen obendrein sämtliche militärischen Attribute. Selbst zu einem längeren Aufenthalt des Kaisers und seines Gefolges konnte das Castel kaum dienen, denn wo hätten Diener, Soldaten und Pferde untergebracht werden sollen? Oft wurde es als Jagdschloss ausgegeben, aber dazu war seine Ausführung zu ausgefeilt und erlesen. Am ehesten lässt es an einen sakralen Bau denken. Aufgedeckt wurde, dass das zugrunde gelegte Oktogon eine tiefe Symbolik birgt, die sich mit Zahlmystik und kosmischen Vorstellungen der Astrologie deckt. Dies passt durchaus auf den Kaiser, der als undogmatischer Denker galt und sich lebhaft für arabische Philosophie interessiert hatte.

Aktuelle Öffnungszeiten unter: www.castellipuglia.org/en/monte.html

Die Winzer
Direktor Andrea di Fabio
Cantina Tollo in Tollo

Die Mitglieder der Cantina Tollo bauen auf ihren Direktor Andrea di Fabio. Unter seiner Regie werden sie dazu angeleitet, ihre Weinberge auf eine vernünftige Weise zu bearbeiten. Sie garantiert gute Erträge gesunder Trauben, wozu man ein genau abgestimmtes Maß an Mineraldüngern ausbringt. Ebenso geht man mit den notwendigen Behandlungsmitteln überlegt um, statt einfach nach dem Kalender zu spritzen.

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