Das Elsass

Im Weinland Frankreich bildet das Elsass eine Ausnahme, die sich aus dem langen deutschen Einfluss erklärt. Denn auch wenn man sich heute links des Rheins ganz französisch fühlt, man pflegt bei Wein und Gastronomie, Architektur und Lebensweise den eigenen Stil.

So konzentriert man sich auf die sieben Rebsorten Gewürztraminer, Pinot Blanc (und Auxerrois), Pinot Gris, Riesling, Sylvaner, Muscat und Pinot Noir. Nur 8% der Produktion von rund 160 Millionen Flaschen jährlich entfallen auf Rotwein und bei den Weißen verzichtet man konsequent auf den biologischen Säureabbau, der sonst in Frankreich eher üblich ist.

Das Anbaugebiet erstreckt sich – mit Ausnahme einer Exklave bei Wissembourg an der Grenze zur Pfalz – zwischen Straßburg und Mulhouse über gut 15.000 Hektar Rebflächen  am Fuße der Vogesen, die es gegen feuchte Westwinde schützen und für ein warmes, oft erstaunlich trockenes Klima sorgen, zu dem das Rheintal ebenfalls beiträgt.  Die Bodenformationen sind vielfältig, auch wenn Sand und Kiesel, Kalkmergel und Granit überwiegen, gibt es auch Schiefer, Ton, Löss und Vulkangestein. Je nach Bodenart gewinnen die Rebsorten einen eigenen Charakter, zeigen sich einmal frischer und schlanker, einmal voller und wuchtiger.

Diesen Unterschieden tragen insbesondere die 51 Grands Crus Rechnung, die eine eigene Appellation besitzen, deren Höchstertrag auf 55 Hektoliter begrenzt ist. Bei der AOC Alsace, unter der die Rebsortenweine erscheinen, darf der Ertrag bis 80 Hektoliter pro Hektar steigen. Außerdem gibt es seit 1976 die AOC Crémant d’Alsace, ei-nen Schaumwein in Flaschengärung, der in der Regel aus Pinot Blanc, Pinot Gris und Sylvaner, seltener auch aus Chardonnay, der im Elsass nur für ihn zugelassen ist, vergoren wird. 

Spezialitäten sind die Vendanges Tardives, die Spätlesen, und die Sélections de grains nobles, die Beerenauslesen. Diese Weine werden immer restsüß ausgebaut. Bei den anderen Weinen pflegt jeder Winzer, jedes Handelshaus oder jede Winzergenossenschaft den eigenen Stil. Werden Pinot Blanc, Sylvaner und Muscat in der Regel als trockene Weine angeboten, kommen Gewürztraminer, Pinot Gris und Riesling oft mit deutlicher Restsüße in die Flasche. 

Doppelt kunstreich

In Ingelheim führt der erste Schritt über den Wein hinaus nur ins obere Stockwerk des Winzervereins. Dort wird jeden Sommer eine besondere Kunstausstellung gezeigt, die sowohl von ihrer Thematik wie von ihrem menschlichen Engagement immer den Besuch lohnt.

Die Cave Jean Geiler entschloss sich, die Association L’Art au-delà du Regard (Kunst jenseits des Blickes) zu fördern, eine Vereinigung, deren Ziel es ist, Blinden und Sehbehinderten Kunst, Kultur und Natur nahe zu bringen. Die Sommerausstellung wendet sich an Elsässer Künstler, denen ein Thema vorgegeben wird. Ihre Werke werden gezeigt und versteigert, wobei ein Viertel des Erlöses der Vereinigung gestiftet wird. Im Jahr 2007 gab das 60. Jubiläum des Colmarer Weinmarkts das Thema vor: Weinflaschen, die im Paar zu erscheinen hatten. Beispiele in der Vitrine im Probierraum zeigen, mit wie viel Einfallsreichtum die Künstler dieses Thema umsetzten. Der Sommer 2008 brachte ein noch originelleres Ereignis: die Ausstellung einer Sammlung von Bildtafeln, auf Elsässisch Taffele, kleinen, auf Holztafeln ausgeübten Bildwerken naiver Volkskunst, die oft als Andenken unter Verwendung von Postkarten und Kollagen hergestellt wurden und nicht selten herrlich kitschig sind. Doch nicht nur das: die Elsässer Künstler wurden aufgefordert, selbst Taffele zu gestalten, einer Aufforderung, der 40 Künstler nachkamen, oft mit sprühender Fantasie und viel Witz. Übrigens hat die 1995 gegründete Association bereits in mehreren Museen einen für Blinde und Sehbehinderte eingerichteten Rundgang einrichten können.

Kulinarische Kunst findet man im nahen Colmar bei JY’S im Viertel des kleinen Venedig, direkt am Ufer der Lauch, wo zur schönen Jahreszeit auch draußen serviert wird. Überraschender ist aber das Innenleben des stattlichen Hauses aus der Mitte des 17. Jahrhunderts, denn sein Interieur ist absolut modern, vorwiegend im Lounge-Stil. So modern und international ist auch Jean Yves Schillingers Küche, der sich von Rezepten aus allen Ecken der Welt inspirieren lässt, besondern gern aber von der japanischen Küche.

JY’S
17, rue de la Poissonnerie
F-68000 Colmar
Tel. +33 389 21 53 60 Fax +33 389 21 53 65
www.jean-yves-schillinger.com
Ruhetage: Sonntag und Montagmittag

Die Winzer
Jean Albrecht
Maison Wolfberger in Eguisheim

„Wir gehören zu den Vorreitern des elsässischen Weinbaus, denn mein Vorfahr Romanus Albrecht hat schon 1425 in Thann Wein gemacht, während die meisten Winzer erst nach dem 30-jährigen Krieg im 17. Jahrhundert damit angefangen haben“, erzählt Jean Albrecht mit sichtlichem Vergnügen.

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Direktor Pascal Keller und Önologe Pierre Sibille
Winzerverein Ingersheim

Seit fünfzehn Jahren leiten Direktor Pascal Keller und Önologe Pierre Sibille das Geschick der Cave Vinicole d’Ingersheim und haben ihr ein solides Fundament für die Zukunft geschaffen. Dafür sprechen schon der weitläufige moderne Probierraum und das eigene Weinmuseum mitten im Ort, noch mehr allerdings die technische Ausrüstung des Winzervereins.

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Guillaume Motzek
Winzerverein Vieil Armand in Soultz - Wuenheim

Cave du Vieil Armand ist eine der kleinsten Winzergenossenschaften im Elsass. 87 Mitglieder liefern ihre Burgunder-, Riesling- und Gewürztraminertrauben im beschaulichen Örtchen Soultz-Wuenheim ab. Das Gebiet rund um den Hausberg von Wuenheim – den 956 Meter hohen Hartmannsweilerkopf – bietet optimale Voraussetzungen für den Weinbau. Es umfasst 140 Hektar fast ausschließlich in Hanglagen, die durch die Vogesen geschützt sind.

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