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Silvaner

Silvaner

Charakteristische Aromen: Birne, erdig/mineralisch, Holunderblüte, Gras, Spargel

„Tief und rein wie ein Glockenton“, so charakterisierte Kurt Tucholsky den Franken-Silvaner. Und bedauernd fügte er hinzu: „Schade, dass man eine solche Köstlichkeit nicht streicheln kann.“

2009 feierte die Rebsorte Silvaner ihr 350. Jubiläum. Am 5. April 1659 schickte der Amtmann des damaligen Grafen Wolfgang Georg I. von Castell-Remlingen in Franken einen Boten ins nahe Obereisenheim, um von einem Rebhändler 25 Setzlinge Österreicher zu holen. So hieß der Jubilar damals. Das Kloster Ebrach unterhielt regen Austausch mit den Niederlassungen in Österreich und so kam die Sorte zu ihrem Synonym. Eine Erwähnung im Casteller Archiv aus diesem Jahr belegt nachweislich das erstmalige Pflanzen wahrscheinlich dieser 25 Stöcke am Steigerwald.

Auch wenn der heute eingetragene Sortenname manche Verbindung ahnen lässt zu Frauennamen oder Landesteilen, ist er von Haus aus eine natürliche Kreuzung aus Traminer und Österreich Weiß. Letztere wiederum geht auf die Sorte Heunisch zurück.

Von Franken aus eroberte der Silvaner in seinen jungen Jahren vor allem Rheinhessen, Nahe, Württemberg, Baden, die Pfalz und Saale-Unstrut. Im ersten Drittel des 20. Jahrhunderts galt er als meist gepflanzte Rebsorte in Deutschland. Er deckte fast 30 Prozent der deutschen Rebfläche ab! Bis in die 1970er –Jahre hielt sich seine Beliebtheit bei Winzern und Verbrauchern gleichermaßen.
Heute ist seine Bedeutung von Platz 1 der Statistik auf Platz 3 gesunken. Erst musste er dem Müller-Thurgau weichen, jetzt ist es der Riesling, der die Spitzenposition einnimmt.

Im Anbau zeigt er sich als frostsicher, was in den Gebieten mit kontinentalem Klima wichtig ist. Als Esstraube ist der Silvaner mit seinen kompakten aromatischen Trauben sehr beliebt. Im Keller erweist er sich mitunter als aufwändig beim Pressen. Seine Schale ist sehr dick. Eine Maischestandzeit erleichtert den Pressvorgang und verleiht ihm mehr Aromadichte. Als Begleiter zum Essen zeichnet sich der Wein durch eine unaufdringliche Säure aus. Insbesondere zur Spargelzeit ist Hochsaison für den Silvaner.

In Rheinhessen befindet sich aktuell die größte Silvaner-Rebfläche. Denn es war  eine Initiative aus Rheinhessen, die 1998 das Silvaner-Forum ins Leben rief, um der traditionellen Rebe ein Abrutschen in das „Schoppen-Milieu“ zu ersparen.

Prozentual gesehen steht er jedoch in Franken an erster Stelle im Sortenspiegel. Und mittlerweile sind  es hauptsächlich die fränkischen Erzeuger, die den Silvaner hochhalten. Dort gilt er als typische Sorte, die hervorragend in die fränkische Schichtstufenlandschaft passt. Die Vielfalt der Böden prägt den individuellen Ausdruck des Weines wesentlich.

Nach dem Riesling gilt der Silvaner als wichtiger Imageträger für deutschen Wein im Ausland.

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