Die legendäre Amphore: Qvevri

Der Qvevri – eine große Tonamphore mit 800 bis 3.500 Litern – war das allererste Gefäß, das für die Weinherstellung verwendet wurde. Das belegen archäologische Funde, die 8000 Jahre zurückreichen. Traditioneller georgischer Wein ist ohne einen Qvevri kaum vorstellbar, macht er sie doch einzigartig dank seines unverwechselbaren Bouquets und Geschmacks. Das Qvevri wird in den Boden eingegraben, wodurch eine optimale Temperatur für die Reifung und Lagerung des Weins gewährleistet wird. Seine eiähnliche Form begünstigt die Prozesse im Inneren: Traubenhäute, Stiele und Kerne sinken nach unten. Der Wein wird durch ihre flüchtigen und nicht flüchtigen Bestandteile angereichert. Später wird der Wein von den festen Rückständen (Trester) getrennt und stabilisiert. Die Qualität von Qvevri-Wein wird auch von der Sorgfalt bei der Reinigung der Qvevris beeinflusst, die jedes Jahr vor dem Befüllen erfolgen muss. In jedem Dorf gibt es ein paar erfahrene Qvevri-Reiniger.

Kachetien: das wichtigste Anbaugebiet Georgiens

Kachetien im äußersten Osten des Landes ist die bekannteste Anbauregion, etwa 70 Prozent der georgischen Rebfläche befindet sich hier. Im Schutze des Kaukasus entstehen hier rund 80 Prozent der georgischen Weine. Die verschiedenen Subregionen gruppieren sich fast alle um den Fluss Alazani, der hier seinen Weg vom Gebirge ins Landesinnere sucht. Das Klima ist wechselhaft kontinental, mit teilweise milden bis subtropischen Temperaturen, es regnet hauptsächlich im Winter, die Sommer sind trocken. Die nährstoffarmen Böden liefern ideale Bedingungen für den Weinbau. Durch das trockene Klima müssen die Reben tief in die Erde eindringen und können so besonders komplexe Wurzelsysteme ausbilden, was die Qualität der Trauben erhöht. Die hochwertigsten Herkünfte Kachetiens für Rotweine sind Kindzmarauli mit seinem halbsüßen Rotwein aus Saperavi, und die PDOs* (Protected Designations of Origin der georgische Pendant zu DOC, AOP, DAC usw.) Mukuzani und Kvareli, die beide für trocken ausgebauten Saperavi stehen, der jeweils mit Körper, komplexer Aromatik, aber auch Eleganz besticht. Die wichtigste Weißwein-Herkunft ganz Georgiens ist Tsinandali am rechten Ufer des Flusses. Auf bis 300-750 Meter wachsen hier Rkatsiteli und Kakhuri Mtsvane, aus denen die Weine der PDO entstehen.

Roter Rebsorten-Superstar: Saperavi

Der georgische Weinbau ist auf vielfältige Art einzigartig, dazu gehören auch die über 525 (!) autochthonen Rebsorten, die das Land besitzt. Die Reblaus hat es nie bis in den Kaukasus geschafft, so können die georgischen Weinbauern auf eine reiche Auswahl zurückgreifen. Doch selbstverständlich gibt auch in Georgien Rebsorten-Superstars, allen voran Saperavi, die in jedem Weinberg der Weinbauregion Kachetien sowie in fast allen anderen Regionen Georgiens zu finden ist. Saperavi-Reben werden auch in anderen Ländern angebaut. In der Weinbauregion Kachetien reift diese Traube in der zweiten Septemberhälfte, wird aber bis zur zweiten Oktoberhälfte geerntet. Aus Saperavi-Trauben werden qualitativ hochwertige trockene Rotweine mit großem Alterungspotenzial hergestellt. Außerdem dienen sie zur Herstellung von süßen und lieblichen Rotweinen sowie Roséweinen. Der beste Wein kann aus Saperavi-Trauben gewonnen werden, die in Mukuzani-Akhasheni, Khashmi, Kindzmarauli, Napareuli, Kvareli und Kondoli geerntet wurden.

Unbekannte heimische Rote

Neben Saperavi gibt es weitere Rebsorten, bekannt zumindest in Georgien, für westliche Zungen scheinen viele Namen recht schwer aussprechbar, was aber der Qualität der Wein keinen Abbruch tut. Aleksandrouli ist eine rote Rebsorte aus der Region Ratscha, die hauptsächlich in dieser Region zu finden ist. Sie reift später als der Durchschnitt. Die Weine aus Aleksandrouli-Trauben sind trocken oder lieblich und erstaunlich weich, mit Aromen von Himbeere und schwarzer Kirsche. Ojaleshi ist eine georgische rote Rebsorte, die insbesondere in Mingrelien weit verbreitet ist. Ojaleshi soll in der frühen Periode des Weinbaus in Georgien ein Maghlari-Wein gewesen sein (d.h. er wurde an Bäumen hochgezogen). Sie hat eine sehr späte Reife, die Lese kann bis in die erste Dezemberhälfte dauern. Tavkveri liefert interessante trockene Rot- oder Roséweine mit Aromen von wilden Rosen und roten Früchten. Dzelshavi gilt als eine der ältesten Rebsorten Georgiens mit Weinen, die in der Regel weich und luftig sind, doch auch spritzige, säurebetonte Sommerweine können aus ihr entstehen. Weitere georgische rote Rebsorten sind Usakhelouri, MujuretuliChkhaveriShavkapito und Otskhanuri.

Der weiße Riese Georgiens: Rkatsiteli

Eine weiße Rebsorte, die man als die prägende Sorte des traditionellen kachetischen Weins bezeichnen könnte. Diese Sorte gehört zur Familie der kachetischen Rebsorten, ist aber in allen Regionen Georgiens und auch im Ausland sehr verbreitet. In den verschiedenen Weinregionen von Kachetien reift diese Traube zwischen Mitte September und Mitte Oktober. Aus Rkatsiteli-Trauben werden die folgenden hochwertigen, klassischen (europäischen) und traditionellen kachetischen Weine (Qvevri-Weine) hergestellt: Tafelwein, regionaler Wein und Wein mit kontrollierter Herkunftsbezeichnung. Rkatsiteli-Trauben werden sehr oft gemeinsam mit Mtsvane Khakhuri-Trauben gekeltert und vergoren. Wenn sie als Qvevri-Wein ausgebaut wird, geschieht das in einem aufwendigen Prozess und beginnt mit dem Stampfen der Trauben in der Satsnakheli (Weinpresse) und dem Einfüllen des Mosts und des Tresters in einen Qvevri. Mit dieser Mischung wird das Gefäß etwa zu 80-85 % gefüllt.

Im Verlauf der Gärung wird die Mischung 4-5-Mal täglich umgerührt. Nach Abschluss der Gärung wird der Qvevri mit der gleichen Mischung aufgefüllt und hermetisch verschlossen. Es folgt eine Reifezeit von 5-6 Monaten.

Autochthone Weiße mit Niveau

Neben Rkatsiteli muss man vor allem die weiße Rebsorte Mtsvane Kakhuri erwähnen, die ihrem geografischen Vorkommen zufolge zur Familie der kachetischen Rebsorten gehört. In den Weinbergen

von Kachetien erreicht diese Traube ihren Reifehöhepunkt in der zweiten Septemberhälfte. Die Weine zeichnen sich durch Noten von Weinbergpfirsich und blühenden Obstbäumen sowie mineralische Anklänge aus. Rkatsiteli und Mtsvane Kakhuri werden auch gerne assembliert. Kisi ist eine weitere Rebsorte, die in Kachetien eine wichtige Rolle spielt. Sie zeichnet sich durch Aromen von reifer Birne, Frühlingsblüten, Tabak und Walnuss aus. Auch Khikhvi gehört zur Familie der kachetischen

Weißwein-Rebsorten gehört. Sie reift von Anfang September bis zur zweiten Septemberhälfte.  In einem nach europäischer Methode produzierten Wein aus Khikhvi-Trauben ist das Aroma von exotischen Pflanzen wie Buchsbaum besonders ausgeprägt, während ein traditioneller

kachetischer Wein (im Qvevri ausgebaut) aus Khikhvi-Trauben eher Noten von reifem Obst oder gelben Trockenfrüchten aufweist. Weitere georgische weiße Rebsorten sind Goruli MtsvaneKrakhunaChinuriTsolikouri und Tsitska.