Authentische Weine aus aller Welt - Teil 2/5

Weine in Italien

Weinberge an der Südtiroler Weinstraße.

Vom Gletscherrand zum Wüstensand, so könnte man eine Reise durch Italiens Weinregionen von den Alpen bis in den Süden umschreiben. Blicken wir auf eine Karte des italienischen Weinbaus, so entdecken wir überall Reben – mit einer einzigen großen Ausnahme: der Ebene des Po. Die italienischen Weinberge liegen an Hängen, in Lagen in jeder nur denkbaren Ausrichtung, Steilheit und Höhe.

Hinzu tritt die klimatische Ausdehnung des Landes: Von den grünen und kühlen Tälern Südtirols reicht Italien 1200 km weit nach Südosten bis in die Hitze auf der Höhe Nordafrikas. Wer jetzt denkt, der Norden sei kühl und der Süden heiß, irrt: Je nach Höhe, Entfernung vom Meer und Luftströmung können sich die Verhältnisse sogar umkehren. Über den ganzen „Stiefel“ verstreut ist so eine Vielzahl von Lagen, Klimazonen und -nischen entstanden, in denen immer wieder neue und überraschende Weine gedeihen können.

 

Ganz und gar alltäglich

Wein gehört seit jeher zum Alltag der Italiener. Noch heute bauen fast 40 % aller Landwirtschaftsbetriebe in Italien Wein an. Früher, als die italienischen Bauern noch weitgehend gemischtwirtschaftlich arbeiteten, waren es noch viel mehr. Jeder produzierte als Selbstversorger alles, was er brauchte: Getreide, Gemüse, Tiere und Trauben. Wein fand man deshalb fast überall, und er gehört auch heute noch ebenso auf den täglichen Tisch wie das Brot. Man macht allerdings kein Aufhebens davon. In Italien überlebten Traditionen und auch Rebsorten über Jahrhunderte bis fast in unsere Tage. Noch heute finden sich unter den 20 wichtigsten Rebsorten nur drei „Fremde“, der Merlot aus dem Bordelais, auf Platz fünf, der Chardonnay auf Platz neun und der Cabernet auf dem elften Platz.

Im eigenen Land, aber auch außerhalb Italiens spielte der italienische Wein keine bedeutende Rolle; zu Hause war er fröhlicher Ausdruck italienischer Lebensart, der internationale Handel wurde von den feinen Weinen Frankreichs und Deutschlands beherrscht.

 

Idyllische Toskana.

Der Aufbruch

Bis weit nach dem Zweiten Weltkrieg herrschte im italienischen Weinbau ein sympathisches Chaos. Seit den 1960er-Jahren versucht der Staat regelnd einzugreifen. In Analogie zum französischen wurde ein Appellationssystem geschaffen, von dem wesentliche Impulse ausgingen. Aber erst in den 1970er-Jahren wachte Italien durch die Tatkraft der beiden großen Persönlichkeiten Angelo Gaja im Piemont und Piero Antinori in der Toskana wirklich auf.

Diesen Pionieren folgte mit großer Faszination eine junge Generation von Winzern, die eine fundierte Ausbildung an den Fachschulen genossen hat und das Gelernte in den väterlichen Betrieben umzusetzen begann. Die Einrichtungen in den Kellern wurden den modernen Techniken angepasst, die Weinberge mit mehr Sorgfalt bewirtschaftet. Eine große Zahl von hervorragenden Önologen beriet wichtige Weingüter, die wiederum zu Vorbildern für ganze Regionen wurden. Italien war aus dem Dornröschenschlaf erwacht.

Spitzenklasse

Heute gehören Italiens Weine in mindestens zwei Anbaugebieten zur absoluten Weltspitze: im Piemont und in der Toskana. Das Potenzial dieses reich gesegneten Landes ist aber erst zu einem kleinen Teil ausgeschöpft, und auch der ganze Süden überzeugt schon seit Jahren mit hohen Qualitäten.


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