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Im Aufwind: Bergerac
Wer denkt bei dem Namen nicht an Cyrano mit seiner langen Nase? Der blieb zwar Zeit seines kurzen Lebens Paris treu, doch vom Temperament her hätte der Freigeist, Dichter, Bühnenautor und Haudegen des 17. Jahrhunderts recht gut ins Perigord gepasst. Und die Weine des Bergerac hätten ihn in wahre Begeisterungstaumel versetzt. Hand drauf!
Morgennebel sind keine Seltenheit an der Dordogne. Im Herbst steigen sie vom breiten, warmen Flussbett auf und hüllen die Landschaft ein. Doch schon bald genießen die Höhenlagen wieder Sonnenschein. Allen voran die von Monbazillac. Dieses Zusammenspiel von Nässe und Sonne fördert auf den Trauben die Bildung der Edelfäule Botrytis cinerea und damit die Entwicklung hochwertiger Spätlesen.
Die süßen Weißen begründeten den Ruhm der Bergerac-Weine. Sie und die Hugenotten. Denn Bergerac war seit 1561 eine Hochburg der Protestanten und nicht zuletzt ihretwegen ein blühendes Handelszentrum gewesen. Als Ludwig XIV. 1685 schließlich das Edikt von Nantes aufhob, flüchteten sie zu tausenden nach Nordeuropa - mit Vorliebe nach Holland -, wo manche von ihnen ihren Lebensunterhalt durch den Handel mit den gefragten Süßweinen ihrer einstigen Heimat bestritten (noch bis in die 1960er Jahre hinein war Monbazillac in ganz Nordeuropa ein fester Begriff). Nicht lange, und auch rote Bergerac-Weine rollten auf diesem Handelsweg gen Norden. Sie folgten damit ausgetretenen Pfaden, denn die Stadt hatte Erfahrung im Weinhandel. Um sich die Loyalität ihrer Bürger zu sichern, hatte ihr 1254 Henry III., der über das englische Aquitanien herrschte, einträgliche Privilegien eingeräumt, dazu zählte der zollfreie Transport der Weine bis zur Gironde.
Dieser langen Wein-Geschichte verdankte Bergerac 1936 eine der ersten Ernennungen zur Appellation, doch mit der Zeit geriet der Wein zunehmend in den Schatten des Bordeaux. Erst jüngst machen Güter und Kellereien mit ausgesuchter Qualität auf sich und ihre dreizehn Appellationen (insgesamt 12400ha Wein) aufmerksam. Dabei haben sich neben edelsüßen - der Geheimtipp: Saussignac - auch trockene weiße Weine durchsetzen können, die auf Sauvignon, Sémillon und Muscadelle basieren. Die Roten sind Cuvées aus Merlot, den beiden Cabernets und etwas Malbec. Sie überzeugen mit angenehmer Frucht und spürbarer Ausgewogenheit. Zunehmend strebt man bei den Côtes de Bergerac, Pécharmant und Montravel Rouge nach mehr Struktur und baut die Weine im Barrique aus. Immer mehr erreichen beachtliches Niveau.
Quelle: Jacques Journal Nr. 2, 2003, S. 38-40, Autor: Thomas Beyer
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