Menschlich, solidarisch, demokratisch
Mit der Güte ihrer Weine und ihrer Leistungsstärke hat sich die Cantina Sociale Cooperativa di Leverano an die Spitze der Weinwirtschaft des Salento gestellt.
Gewiss sind daran Präsident Dr. Antonio Tumolo und Direktor Dr. Ennio Cagnazzo nicht unschuldig, wobei die enormen technischen und qualitativen Fortschritte von dem promovierten Weinbauwissenschaftler und Önologen Cagnazzo orchestriert wurden. Doch in der Cantina versteht man sich als eine Einheit, bei der jedes der 1.240 Mitglieder eine wichtige Rolle spielt. Sieht man sich nach außen den kulturellen und weinbaulichen Traditionen Südapuliens verpflichtet und legt den Fokus der Arbeit auf den Anbau der einheimischen Sorten, wird man andererseits nicht müde, zu betonen, wie sehr sich der Erfolg auf das ko-operative System gründet. Dabei stellt man die Person, den Menschen in den Mittelpunkt, dazu die Solidarität zwischen den Mitgliedern und die partizipierende Demokratie, auf der die Führung der Winzergenossenschaft basiert.
Bewusst stellt man die ideellen Werte vor das materielle Interesse, den Respekt vor dem anderen vor den pekuniären Gewinn und sieht in dem Zusammenhalt aller Mitglieder das Fundament für den Erfolg. Bei dieser Philosophie versteht es sich von selbst, dass man keine rein quantitative Expansion anstrebt, sondern alles daransetzt, dass man – auch wenn man geschäftlich international agiert – die Situation des einzelnen Winzers nicht aus den Augen verliert. Nicht nur hat man über die Jahre eine bestens funktionierende Kellerei geschaffen, die Kooperative hilft ihren Mitgliedern, sich weiter zu entwickeln und gibt Unterstützung bei der Praxis des integrierten Anbaus, um gemeinsam die Qualität weiter zu steigern.
Alter Turm, moderne Kooperation
Die ausgesprochen günstigen natürlichen Bedingungen für den Weinbau in Italiens südlichstem Zipfel führten nicht automatisch zu großen Weinen. Noch heute muss ein Großteil der Produktion Apuliens destilliert werden. Dagegen setzte die Winzergenossenschaft von Leverano schon vor 50 Jahren auf Qualität. Mit Erfolg.
Noch heute stößt man auf der Halbinsel Salento auf den Einfluss der Griechen, die im 8. Jahrhundert v. Chr. nach Unteritalien vorstießen. Dort trafen sie auf weite, flache Landschaften, soweit das Auge reichte, hervorragend geeignet für Rebkulturen. „Oinotria“ nannten sie dieses Gebiet: Land der Reben. Seither wurde dort immer Weinbau betrieben. Auch was die Architektur betrifft, blieb man den Griechen treu und versieht die weiß gekalkten Wohnhäuser mit Flachdächern, von denen die übrigen Apulier nichts halten. In den Städten dominiert dagegen ein reich verzierter, überbordender Barock wie in der nahen Provinzhauptstadt Lecce mit ihren 45 Prunkbauten und einem römischen Amphitheater. In Leverano ist man dagegen stolz auf den Vecchia Torre, einen imposanten Wehrturm im Ortszentrum, den der Staufenkaiser Friedrich II. 1220 errichten ließ. Nach diesem Wahrzeichen benennt die Cantina Sociale Cooperativa ihre besten Weine wie den Salice Salentino.
Als die Kooperative 1959 ins Leben gerufen wurde, war dies eine Zukunft weisende Entscheidung. Rund 50 Winzer taten sich damals zusammen, weil sie allein mit ihren kleinen Weingärten nicht fähig waren, gute Weine zu keltern und sie zu verkaufen. Noch heute beträgt die durchschnittlich bewirtschaftete Fläche nicht einmal 0,9 Hektar! Der hohe Qualitätsanspruch und die damit erreichten Verkaufserfolge überzeugten in den vergangenen Jahrzehnten mehr und mehr ihrer Kollegen, sich ihnen anzuschließen. Heute zählt die Kooperative 1.240 Mitglieder mit insgesamt 1.100 Hektar Rebfläche. Damit ist sie zur bedeutendsten Kellerei in der gesamten Provinz geworden und zu einer der größten Apuliens.
Dieser Zuwachs verlangte von der Cantina einen Ausbau ihrer Tank-Kapazität, die sich mittlerweile auf 140.000 Hektoliter beläuft, was es ihr erlaubt im Durchschnitt 12 Millionen Kilo Trauben pro Lese zu verarbeiten. Auch was die Kellertechnik betrifft hat man Schritt gehalten, vor allem im Hinblick auf Temperaturkontrolle, ohne die man im heißen Salento keine sauberen, fruchtbetonten Weine machen könnte. Sieben Achtel der Produktion besteht aus Rotweinen, bei denen das größte Gewicht den traditionellen Sorten Negroamaro und Primitivo zukommt. Ein Achtel stellen weiße Sorten, darunter Trebbiano, Bombino, Malvasia und Chardonnay, aus denen man heute moderne ausgewogene Weißweine zu machen versteht.
Wie sehr man trotz allem Respekt vor der Tradition mit der Zeit geht, zeigt das große lang gestreckte Gebäude der Cantina, auf dessen gewölbtem Dach eine immense Photovoltaik-Anlage montiert ist. Deren Leistung beträgt 35 KW, so dass man auf eine Jahresproduktion von 49.000 KWh kommt. Die Winzergenossen rechnen gerne vor, dass sie damit 12.250 Kilo Heizöl einsparen, mit dem pro Jahr 35.000 kg Kohlendioxid in die Atmosphäre entlassen worden wären.
Cantina Sociale Cooperativa di Leverano
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