Coteaux du Languedoc
Das Languedoc lieferte seit Mitte des 19. Jahrhunderts per Eisenbahn Unmengen an billigen Weinen in die aufkommenden Industriegebiete Nordfrankreichs, wo zur täglichen Kalorienration der Arbeiter zwei, drei oder mehr Liter niedrigprozentigen Rotweins gehörten. Doch die Zeiten änderten sich.
Ein Jahrhundert später befand sich das mit 400.000 Hektar größte Weinanbaugebiet der Welt in einer gravierenden Krise, denn der allgemeine Lebensstil hatte sich grundlegend gewandelt. Eine völlige Umstrukturierung setzte ein. Über ein Viertel seiner Reben musste weichen und nur die besten Lagen wurden unter den erteilten Appellationen wie Fitou, Corbières, Limoux, Cabardès, Minervois, Faugères, Saint-Chinian, Clairette du Languedoc und Coteaux du Languedoc anerkannt.
Die zuletzt genannte AOC, die von Narbonne bis Nîmes und vom Mittelmeer bis an die Montagne Noire und die Cevennen reicht, umfasst heute 9.000 Hektar Weinberge, die sich auf 168 Gemeinden verteilen. Ihre gemeinsamen Nenner sind eine Weingeschichte, die mehr als 2.000 Jahre zurückreicht, ein Klima, das in reichlichem Maß von Sonne, Wind und relativer Trockenheit bestimmt wird, karge Böden und ein Quartett dominierender roter Rebsorten, das aus Syrah, Grenache, Mourvèdre und – mit abnehmender Tendenz – Carignan besteht. Innerhalb dieser übergreifenden Appellation beanspruchten ein Dutzend Terroirs das Recht, ihren Namen aufs Etikett zu setzen, aufgrund einer – oft historisch verbrieften – Eigenständigkeit ihrer Rotweine. Dies sind Cabrières, La Méjanelle, Montpeyroux, Quatourze, St-Christol, St-Drézéry, St Georges d'Orques, St-Saturnin et Vérargues.
Die Ausnahme macht darunter Picpoul de Pinet mit seinem charaktervollen Weißwein, das demnächst eine eigene AOC erhalten dürfte. Inzwischen haben sich die Teilgebiete La Clape, Grès de Montpellier, Terrasses du Larzac und Pic Saint Loup bereits – auch durch restriktivere Produktionsbestimmungen – eine höhere Anerkennung erworben, während sich die Teilgebiete Terrasses de Béziers, Pézenas und Terres de Sommières darum noch bemühen.
La Clape
La Clape gebührt unter den Terroirs der Coteaux du Languedoc besondere Aufmerksamkeit.
Fährt man von Narbonne in Richtung Narbonne-Plage, seinem Badeort, beginnt nach einigen Kilometern Flachland eine Steigung und die Straße windet sich plötzlich zwischen steilen Klippen und tiefen Schluchten in ein wildes kleines Kalksteingebirge mit Parasolpinien, Wildkräutern und Rebparzellen, das bisweilen den Blick auf das tiefblaue Mittelmeer freigibt.
Wie bereits vermerkt, war La Clape zu Zeiten der Römer eine Insel, Insula Laci genannt, wegen der verschiedenen Seen, die ihren hohen Kern säumten, und Narbonne besaß einen eigenen Hafen. Schon damals, um 200 vor Chr., wurde dort Wein angebaut. Erst nachdem sie im Mittelalter mit dem Festland zusammengewachsen war, erhielt das Gebiet einen neuen Namen. Man nannte es respektlos La Clape, Steinhaufen.
Mit ihren kalkreichen und steinigen Böden, dem ständigen Wechselspiel der Winde, bei dem der nordwestliche Cers vom östlichen Marin abgelöst wird und umgekehrt, dem intensiven Licht und der die Weinberge umfassenden wilden Vegetation bietet La Clape beste Voraussetzungen für große mediterrane Rotweine. Eine Spezialiät von La Clape ist ihr rarer Weißwein, der zu mindestens 60 Prozent aus Bourboulenc, einer Malvasier-Art, besteht, die auch im heißen Klima und trotz ihrer Rundheit eine erfrischende Säure bewahrt.
Auf der Ex-Insel
Familie Saint-Exupéry hat auf ihrem großen, von viel Natur umgebenen und am nordwestlichen Rand von La Clape gelegenen Hof frühere Wohn- und Wirtschaftsgebäude mit viel Geschmack in fünf Ferienwohnungen verwandelt, die zwei bis acht Personen aufnehmen können.
Alle haben eine eigene Terrasse, meist sogar einen eigenen Garten mit Gartenmöbeln und Barbecue, beste Gelegenheit, die Weine des Château zu genießen. Es gibt einen Swimmingpool, aber das Meer ist nicht weit, und man kann direkt vom Hof Wanderungen in die faszinierende Natur der einstigen Insel unternehmen.
Château Pech-Céleyran (Adresse siehe oben)
Für Reservierungen: Anita de Saint-Exupéry, Tel. +33 6 67 97 72 76
oder über E-Mail oder Website
Die Straße nach Narbonne-Plage führt Sie direkt zum Château l’Hospitalet hinauf, dem auf der Höhe von La Clape gelegenen sehenswerten Gut Gérard Bertrands. Nicht nur ist es lohnenswert, dessen Weine zu probieren, Sie finden dort auch Galerien und Handwerkskunst, ein smartes Hotel und zwei Restaurants.
Château l’Hospitalet
www.gerard-bertrand.com
Ein Abstecher nach Gruissan ist Pflicht, weniger wegen der Erweiterung zum modernen Badeort mit seinen 1.300 etwas bizarren Ferienhäuschen, sondern wegen des in Kreisen angelegten alten Fischer- und Winzerdorfs, das von dem Turm seiner mittelalterlichen Burgruine überragt wird, von dem aus man eine ausgezeichnete Aussicht hat. Die Einwohner lebten früher vorwiegend vom Fischfang und der Salzgewinnung in den vorgelagerten Salins de Saint-Martin. Zugleich ist Gruissan ein – zumindest zur schönen Jahreszeit – lebendiger Freizeithafen.
www.gruissan-mediterranee.com
Wenn Sie einfach mal die Seele in ungezwungener Atmosphäre baumeln lassen möchten, dann empfiehlt sich die Domaine de Pierre Droite mit ihrem sympathischen, unkomplizierten Restaurant Le Souquet’s und dessen sehr mediterraner, einfacher Küche. Auch Unterkünfte.
Domaine de Pierre Droite
Route de Gruissan, Tel. +33 4 68 49 13 23