Herkunft (Region) oder
Rebsorte oder
Winzer
Zitrus- und Mandelaroma
In dem Hügelland südöstlich von Rom, genannt Castelli Romani, gibt es nicht weniger als fünf eigenständige DOC-Bereiche. Der bekannteste trägt den Namen Frascati. Leider muss man sagen, dass die unglaubliche Bekanntheit dieses Namens kaum etwas mit der Qualität dieses Weins zu tun hat, denn die ist in der Regel unansehnlich - im Unterschied zum geballten Charme der zahllosen Villen und Patrizierhäuser mit ihren wunderschönen Gärten und Zypressenalleen ...
Der Seiteneinsteiger Vittorio Giulini indes, Mitbesitzer einer weltweit operierenden Modekette, beweist mit seinem Frascati Regillo, dass es auch anders geht. Es ist schon erstaunlich, was dieser Mann durch Beschränkung des Ertrags und durch sorgfältige Vinifikation aus den beiden Frascati-Sorten Malvasia und Grechetto herausholt. Dieser feinfruchtige Weiße besticht durch seine Frische und sein pikantes Zitrus- und Mandelaroma!
Speiseempfehlung: zu Antipastigerichten, zu Tagliolini mit Meeresfrüchten, zu Spaghetti Vongole, zu Tomaten mit Mozzarella.
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Mode, Kunst & Wein
Industrielle, die Wein machen, gibt es genug. Aber nur wenige bringen es hier auf 40 Jahre. Vittorio Giulini schon. Der Modemacher und Kunstsammler aus Mailand setzt dabei die Tradition der Familie fort. Weil er das Vergnügen am Wein mit den Menschen teilen will.
Was heißt hier Toskana? Dort treten sie zwar in geballter Form auf, aber es gibt sie in ganz Italien: Schöne und Reiche, die Nebbiolo mit Nebel verwechseln und sich mal eben ein Weingut kaufen, weil es gerade schick ist. Vittorio Giulini aber gehört nicht dazu. Obwohl er viele Kriterien erfüllen würde: Spross eines Adelsgeschlechts, der den Titel eines Grafen tragen dürfte, dies aber nicht tut. Inhaber der Modefirma Liolà, Sammler unzähliger Kunstschätze - und Winzer. Doch die Familie seiner Mutter Vera hat die Tenuta di Pietra Porzia in Frascati schon vor 100 Jahren erworben. Rund 50 Hektar umfasst das Anwesen, auf dem einst römische Villen standen. Vor 40 Jahren ist dann noch die Tenuta La Marchesa in Novi Ligure, in der Gavi-Zone des Piemont, dazugekommen. Damals hatte Vittorio bei seiner Mutter angefragt: ´Sollten wir uns nicht noch ein zweites Weingut kaufen?´ Die Mamma war nicht abgeneigt, wollte aber eigentlich Richtung Mailand. ´Sie wissen´, sagt Signora Vera, ´wegen der Nähe zu unseren Fabriken.´
Wer Vittorio Giulini und seine Weinphilosophie verstehen will, der muss sich dem Modemenschen Giulini nähern. Liolà ist auf einem ganzheitlichen Ansatz aufgebaut. ´Alles made in Italy´, sagt Giulini. Von der Garnproduktion bis zur fertigen Kollektion wird alles in eigenen Unternehmen und in Italien produziert. Diese Ganzheitlichkeit strebt er auch beim Wein an: ´Wir verfolgen das Konzept französischer Châteaux, eine Symbiose von hoher Weinqualität mit einer Architektur, die sich harmonisch in die natürliche Umgebung einfügt.´ Wie die Tenuta La Marchesa, ein Palast aus napoleonischer Zeit.
Mit Donato Lanati hat sich Giulini zwar einen renommierten önologischen Berater ins Haus geholt, doch auch er weiß, wovon er spricht. Wie selbstverständlich parliert er über Reinzuchthefen und die pneumatische Pressung. Dabei ist Giulini die Problematik, die es mit den Weißweinen Gavi und Frascati auf sich hat, durchaus bewusst. Vor allem beim Frascati hat zu viel Massenware den einst guten Ruf ruiniert. Rund 400.000 Flaschen, genauso viel wie beim Gavi, füllt Giulini pro Jahr ab. Damit sein Frascati besser als der Rest gelingt, braucht es aber besondere Anstrengungen. ´Kein Gramm Zucker, außer der natürliche, dazu eine strenge Mengenbeschränkung´, sagt Vittorio Giulini. Beim Frascati aber vor allem eine kaum mehr übliche Wahl der Rebsorten. Während die meisten dieser Weine aus der wenig aromatischen Trebbiano-Traube gekeltert werden, hat Giulini das Glück des Tüchtigen. Auf der Tenuta di Pietra Porzia stehen beinahe 80 Jahre alte Rebstöcke der Sorten Malvasia del Lazio, Bombino und Grechetto. ´Die sind zwar niedriger im Ertrag und treiben so die Kosten nach oben. Aber das Ergebnis ist ein Frascati mit intensiven Fruchtaromen, wie man ihn kaum mehr bekommt´, sagt Giulini. Bei der Sortenwahl für den Gavi hat er freilich weit weniger Auswahl, wird dieser Wein doch nur aus der Cortese-Traube gewonnen. Doch höchste Sorgfalt lässt Vittorio Giulini auch auf der Tenuta La Marchesa walten. Bis zu drei Wochen wird der Wein im Stahltank bei einer konstanten Temperatur von 18 Grad vergoren, wo er im Anschluss für weitere zwei Monate ruht. ´Beim Gavi wollen wir vor allem den reinen Geschmack bewahren´, so Giulini. Dies ist deshalb wichtig, weil es bei diesem Wein darum geht, die Balance zwischen trockenem Geschmack und den fruchtigen, fast süßlichen Aromen der Cortese-Traube zu bewahren. ´Wir streben keine Internationalität, sondern Typizität an´, sagt der Mode machende Winzer.
Da ist man freilich längst in Mailand angekommen, in Giulinis Stadtwohnung: einem Penthouse auf zwei Etagen mit Dachterrasse. Der Kammerdiener serviert Espresso, und Giulini führt durch die Gemächer. Denn neben dem Wein hat Vittorio Giulini noch eine zweite Leidenschaft: Pietra dipinta. Bilder auf Marmor, Lapislazuli oder Granit gemalt. Mehr als 150 davon zieren die Räume. Genau das aber ist es, was für Giulini den Unterschied zum Wein ausmacht: ´Die Kunst ist eine private Freude. Den Wein aber teilt man mit den Menschen, und das ist ein doppeltes Vergnügen.´
Quelle: Jacques´ Journal Nr. 2, 2002, S. 18-21, Autor: André Liebe
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